Kamala Harris gibt afrodeutscher Bewegung Auftrieb
dr pierrette herzberger fofana

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Erlanger EU-Abgeordnete Pierrette Herzberger-Fofana setzt Hoffnung auf US-Vizepräsidentin.

ERLANGEN – „Kamala Harris hat Geschichte geschrieben“, sagt die Erlangerin Pierrette Herzberger-Fofana. Die 71-Jährige sitzt für die Grünen als erste Afrodeutsche im Europaparlament und hat schon so manche Diskriminierung erlebt. Vom Machtwechsel in Washington erhofft sie sich nun auch Auftrieb für die afrodeutsche Bewegung.

Die Freude über den Ausgang der US-Wahl ist Pierrette Herzberger-Fofana anzuhören. Besonders berührt hat sie der gemeinsame Auftritt des neuen Präsidenten Joe Biden und seiner Stellvertreterin Kamala Harris bei ihrer Ansprache in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware

. „Das Bild, das wir da gesehen haben, war das Bild, das dieses großartige Land kennzeichnet: die weiße Familie Biden und die schwarz-weiße Familie Harris zusammen auf der Bühne“, sagt sie. Diversity, also Diversität, werde wieder groß geschrieben. Bisher habe man fast immer nur Weiße gesehen.

Das sei vorbei: Kamala Harris, die Afroamerikanerin mit asiatischer Herkunft, habe mit ihrem Wahlsieg Geschichte geschrieben, sagt die Erlangerin. „Sie ist die erste Schwarze, die in ein solches Amt gewählt wurde“, erzählt die frühere Erlanger Grünen-Stadträtin und jetzige EU-Abgeordnete der Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz (Grüne/EFA) begeistert am Telefon.

Die 56-Jährige inspiriere alle Frauen dazu, weiter an den „American Dream“, den amerikanischen Traum, zu glauben. Das gelte insbesondere für Frauen mit nicht weißem kulturellen Hintergrund. „Sie ist darüber hinaus aber auch ein Vorbild für alle Frauen, denn Kamala Harris zeigt: Frauen können es schaffen.“

Diskriminierung selbst erlebt

Auch Pierrette Herzberger-Fofana hat oft und vielen gezeigt, dass sie es schafft und war selbst mehrmals die erste schwarze Frau in einer besonderen Position. So sitzt die in Mali geborene und im Senegal aufgewachsene Politikerin mit deutscher Staatsangehörigkeit beispielsweise als erste Afrodeutsche in Brüssel.

Auch sie kennt Diskriminierung und Rassismus aus eigenen Erlebnissen. Erst im vergangenen Juni sorgte ein Zwischenfall mit der belgischen Polizei, bei der sie von Beamten rüde angegangen wurde, für Schlagzeilen. Die 71-Jährige setzt sich seit Jahrzehnten gegen Rassismus ein, zuletzt auch als Rednerin bei „Black Lives Matter“-Demonstrationen etwa in Nürnberg und Erlangen.

Der Republikaner Donald Trump habe die Protestierenden zwar verteufelt und dämonisiert, doch die Schwarze Bewegung sei stärker gewesen, die Kundgebungen haben nun Früchte getragen, sagt sie. Zwar glaubt sie nicht, dass mit dem Machtwechsel im Weißen Haus der Rassismus sofort abgeschafft ist, dazu sei er in den Vereinigten Staaten doch zu tief verwurzelt.

Kampf gegen „strukturellen Rassismus“

Aber die pensionierte Gymnasiallehrerin ist zuversichtlich: „Die afroamerikanische Gemeinschaft kann davon ausgehen, dass der Kampf gegen den strukturellen Rassismus wieder ernst geführt wird.“ Es werde verstärkt Anstrengungen geben, die Ungleichbehandlung von Weiß und Schwarz zu ändern.

Herzberger-Fofana erhofft sich mit den Demokraten an der US-Spitze zudem einen Auftrieb für die afrodeutsche Bewegung. „Der Wahlsieg in den USA wird sich sicherlich auf uns auswirken.“

Nicht nur Berichte über Gärtner oder Chauffeur

Etliche Afrodeutsche seien sehr nach Amerika orientiert, berichtet sie. Hierzulande seien bereits erste Verbesserungen zu spüren: „Seit den vergangenen Monaten beobachte ich, dass bei TV-Sendungen zum Thema Rassismus auch Afrodeutsche selbst zu Wort kommen und nicht mehr nur Weiße, die von ihrem schwarzen Gärtner oder Chauffeur erzählen.“

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