
Der Organisator, Mustapha Al Maana, Landshut
Grusswort
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Afrika-Freundinnen und -Freunde,
ich danke Ihnen von Herzen für die Ehre, heute hier bei Ihnen sein zu dürfen und gemeinsam einen Moment der Begegnung und des Austauschs zu erleben. Es ist mir eine große Freude, an dieser besonderen Veranstaltung teilzunehmen. Mein herzlicher Dank gilt den Organisatorinnen und Organisatoren, die dies möglich gemacht haben.
Diese wunderbare Stadt verbindet sich für mich mit einem faszinierenden Geheimnis, das ich gern mit Ihnen teilen möchte: Im Rahmen meiner Recherchen bin ich darauf gestoßen, dass um 1515 das erste Schwarze Kind nach Bayern gekommen sein soll – und zwar nach Landshut. Ob dies historisch belegbar ist, konnte ich bisher nicht bestätigen. Doch allein die Möglichkeit macht deutlich, welch wichtige Rolle Ihre Stadt in der deutsch-afrikanischen Geschichte spielen könnte – vielleicht, ohne es selbst zu wissen.
Es ist inspirierend zu sehen, wie viele engagierte Menschen sich in Landshut zusammengefunden haben. Sie alle verkörpern die Stärke und den Gemeinschaftsgeist, die unser Land prägen und auch in Zukunft prägen werden. Seit nunmehr 22 Jahren organisieren Sie die Afrika-Tage, die weit über Niederbayern hinaus bekannt und geschätzt sind.
In dieser Zeit haben Sie viel erreicht und zahlreiche Brücken gebaut, auf denen wir weitergehen können. Gerade deshalb möchte ich Sie ermutigen, sich auch weiterhin für die Menschen einzusetzen, die oft übersehen werden, und eine starke Stimme für all jene zu sein, die hier leben – unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Lebensgeschichte. Besonders wichtig ist mir, dass Sie dabei auch die „unsichtbaren Minderheiten“ repräsentieren und stärken.
Bleiben Sie bitte die Stimme derjenigen, die oft nicht gehört werden. Setzen Sie sich weiterhin für Menschenrechte ein und dafür, dass alle Bürgerinnen und Bürger, die hier leben, unser Land mitgestalten können. Denn das ist unser gemeinsames Land. Im 21. Jahrhundert müssen wir sichtbar werden und unseren Beitrag zu einem demokratischen Europa der Vielfalt leisten.
Dafür arbeiten Sie mit großartigen Verbündeten zusammen. Menschen, die Sie unterstützen, mit Ihnen auf Augenhöhe sprechen, mitgestalten, diskutieren und damit zeigen: Wir ziehen alle an einem Strang. Gemeinsam wollen wir verhindern, dass unsere Städte in die Hände jener fallen, die mit dumpfen Parolen und Hassreden spalten.
Ihre Afrika-Tage leisten hier Großartiges. Mit vielfältigen Programmpunkten – von Kulinarik über Sport bis hin zu Lesungen – zeigen Sie Facetten des afrikanischen Kontinents, die in den sozialen Medien oft zu kurz kommen oder verzerrt dargestellt werden. Statt Krisen und Katastrophen präsentieren Sie Lebensfreude, Kultur und Kreativität. Dafür gratuliere ich Ihnen von Herzen.
Sie bauen Brücken nach Afrika und tragen aktiv zu seiner Entwicklung bei. Viele von Ihnen engagieren sich mit eigenen Projekten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Infrastruktur – oft trotz finanzieller Hürden. Ihr Einsatz, auch wenn er manchmal von persönlichen Opfern begleitet ist, verdient größten Respekt. Geben Sie diesen Traum nicht auf! Ob Sie eines Tages zurückkehren oder hier Ihre Zukunft aufbauen: Es ist wichtig, dass Sie den Weg wählen, der Ihnen erlaubt, sich zu entfalten und Ihre Ziele zu verwirklichen.
Ihre Arbeit hier zeigt, dass unser Engagement Politik, Bildung, Gesundheit, Technologie und Gesellschaft voranbringt – lokal, national und global. Sie alle sind dabei, Barrieren einzureißen und Stereotype zu widerlegen.
Vergessen wir nicht: Wir sind nicht allein. Es gibt viele Verbündete ohne eigene Migrationsgeschichte, die mit uns gemeinsam handeln, uns Mut machen und uns unterstützen. Über alle Städte, Sprachen und Kulturen hinweg teilen wir oft ähnliche Herausforderungen. Unsere kollektive Kraft ist groß – und gemeinsam können wir Respekt, Anerkennung und Chancengleichheit einfordern. Für eine Gesellschaft ohne Rassismus, Diskriminierung und Hass.
Deshalb mein Aufruf:
Ob afro-deutsch, türkisch-deutsch, syrisch-deutsch, vietnamesisch-deutsch oder anders geprägt – dies ist unser Land. Gestalten wir es mit! Es braucht mehr Menschen wie Sie in der Politik, die ihre Stimme erheben und die Zukunft für kommende Generationen mitbestimmen. Vielleicht war ich die erste Schwarze deutsche Europaabgeordnete, doch ich hoffe, viele werden mir folgen – gerade auch afrikanische Frauen. Denn unsere Perspektiven sind es, die eine lebenswerte Welt für alle möglich machen.
Abschließend möchte ich sagen:
Lassen Sie uns entschlossen weitergehen und Räume schaffen, in denen unsere Stimmen gehört und wertgeschätzt werden. Stoßen wir Türen auf, die uns lange verschlossen waren, und erkennen wir unsere Vielfalt als große Stärke. Gemeinsam werden wir Entwicklung auf beiden Kontinenten fördern – in Deutschland und in den Herkunftsländern unserer Eltern. So gestalten wir das neue, vielfältige Deutschland.
Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit!

Die Mit-Organisatorin Mit Jamila Fox, Landshut



