Grußwort zum Beginn der Black History Weeks in Erlangen

Datum

Sehr geehrte Frau Prof. Lubkoll

Sehr geehrter Herr Prof. Ribbe

Liebe Mitstreiter*innen der „Black History Weeks,“

Liebe Freund*innen der Wochen über Schwarze Geschichte

Es ist mir eine große Freude, Sie zur Auftaktveranstaltung der diesjährigen Erlanger „Black History Weeks“ begrüßen zu dürfen.

Es ist das Verdienst des amerikanischen Wissenschaftlers Carter Godwin Woodson, dass weltweit zu „Black History Weeks“ eingeladen wird. Woodsons Antrieb war es, der in Geschichtsbüchern vorherrschenden Perspektive auf die Vergangenheit eine „Schwarze“ Perspektive entgegenzusetzen und kulturelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Beiträge und Errungenschaften afroamerikanischer Bürger*innen in den Fokus zu stellen. So initiierte er 1926 die erste „Negro History Week“.

2015 haben die Vereinten Nationen unter dem Motto ‚Anerkennung, Gerechtigkeit und Entwicklung‘ die Dekade der Menschen afrikanischer Herkunft ausgerufen. Diese Initiative hatte mich im selben Jahr dazu veranlasst, die Erlanger “Black History Weeks“ zu gründen.

Afrika-Feste und Afrika-Tage haben in ihrer Buntheit, in der Vielfalt köstlicher Gerüche, lebensfroher Musik und farbenfroher Gewänder ihre Berechtigung und ich möchte sie nicht missen. Die „Black History Weeks“ Erlangen hingegen, sind aus der Motivation heraus entstanden, gängige Klischees zu überwinden und Bereiche Schwarzer Kultur, aber auch die Involviertheit Schwarzer Menschen in die deutsche Geschichte aufzugreifen.

Anhand unseres diesjährigen Flyers sehen wir sehr deutlich die Fallstricke, denen wir auch als antirassistisch engagierte Menschen manchmal aus Unachtsamkeit nicht entgehen. Wir wissen, dass die ewige Wiederholung von Stereotypen und Klischees dafür sorgt, dass diese festgezurrt statt aufgelöst werden.

Josephine Baker wird am 30. November 2021 in Paris im Beisein des französischen Präsidenten, Emmanuel Macron, als erste Schwarze Frau im „Pantheon“ beigesetzt, besser gesagt ihre Überreste werden dorthin überführt. Das Pantheon ist nicht nur ein Mausoleum in Paris, es ist die Ruhmeshalle der französische Held*innen. Baker war Entertainerin, aber eben auch Widerstandskämpferin, Aktivistin und Idealistin. Das Bild auf unserem Flyer mag für ein bestimmtes Publikum unproblematisch erscheinen – weil es die rassistische Darstellung Schwarzer Menschen gewöhnt ist oder weil es soweit über Josephine Baker im Bilde ist, dass es um die Ironie in ihren Darstellungen weiß. Für die Sache für die wir arbeiten aber und auch für mich persönlich ist der so gestaltete Flyer ein Fauxpas, für den ich mich im Namen des gesamten Teams entschuldigen möchte. Wir hoffen, das zumindest die Werbewirksamkeit nackter Haut ihren Beitrag geleistet hat.

Die diesjährigen Erlanger „Black History Weeks“ haben sich vorgenommen, Rassismus in Kunst und Kultur zu beleuchten. Öffentliche Darstellungen wie auch interne Strukturen in bestimmten künstlerischen Disziplinen können leider als Inbegriff dessen gesehen werden, was Rassismus ist. Es gilt also, Austausch und Begegnung, Diskurs und Auseinandersetzung auf diesem Gebiet zu verstärken.

So ist es uns eine Freude, dass Professor Ribbe aus Paris heute über den Chevalier de Saint-George sprechen wird, einen Schwarzen Komponisten und Geigenvirtuose aus dem 18. Jahrhundert.

Am 20. November werden wir in der Hugenottenkirche ein Konzert mit einer Auswahl aus dessen Werk hören. Es ist uns auch eine Freude, am 11. November in der Erlanger Stadtbibliothek Deutschlands erste BiPoC-Verlagsgesellschaft vorstellen zu dürfen. Gespannt sind wir außerdem auf die Podiumsdiskussion am 15. November im Theater Erlangen zum Thema Diversität im Theater und gespannt sind wir auch auf den Vortrag von Dr. Katharina Gerund, die am 17. November über – und hier schließt sich der Kreis meiner Worte – Josephine Baker sprechen wird.

Niemand kann sich der Dinge erinnern, von denen er oder sie noch nie etwas gehört hat und niemand kann Respekt für Errungenschaften oder Ereignisse aufbringen, die ihm oder ihr gänzlich unbekannt sind. Um Unwissenheit zu beseitigen, um das Wissen um die Geschichte Schwarzer Menschen zu erhöhen, braucht es Veranstaltungen wie diese. Hier denke ich vor allen Dingen an die Kinder von heute, die die Erwachsenen von morgen sein werden. Ein Kind braucht auf seinem jeweiligen Bildungsweg, auf seinem Weg des Übens und Ausprobierens, Vorbilder. Und wenn ein Kind sich nie oder selten wiederfindet in „den Großen“, dann hat es ein Problem – das es manchmal in positiver und oft nur in negativer Weise zu lösen weiß. Der junge britische, schwarze Star-Cellist Sheku Kanneh-Mason drückte dies einmal sehr sanftmütig so aus:

 „Wenn Du etwas tust und dabei nie jemanden siehst, der aussieht wie Du selbst, ist das kompliziert.“

Meine Vision ist, das „Black History Weeks“ zum Veranstaltungsrepertoire vieler weiterer bayerischer Städte und Gemeinden werden. Jede Form der Sichtbarmachung Schwarzer Geschichte ist hilfreich dafür, Wissen und Verstehen zu erhöhen und Angst gegen eine Lust auf Solidarität einzutauschen.

In diesem Sinne wünsche ich uns alle Inspiration und neue Erkenntnisse im Rahmen dieser „Black History Weeks -Erlangen 2021.“

Schön, dass Sie dabei sind!

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